Neues Storchennest in der Gemarkung Seershausen – gelebte Tradition, moderner Naturschutz und ein starkes Zeichen für Dorfgemeinschaft
Seershausen hat ein Stück seiner Natur- und Dorfgeschichte zurückgewonnen: Am 17. April 2026 wurde am nördlichen Ortsrand ein neues Storchennest errichtet – ein Projekt, das der Dorfverein Seershausen e.V. initiiert, organisiert und mit großer ehrenamtlicher Unterstützung erfolgreich umgesetzt hat. Bereits wenige Tage nach der Aufstellung ist ein Storchenpaar eingezogen. Die beiden neuen Dorfbewohner sollen künftig die Namen Milo (männlich) und Fina (weiblich) tragen.

Mit viel Erfahrung und Handarbeit: Mitglieder des Dorfvereins Seershausen und der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Barnbruch präsentieren das frisch gebaute Storchennest.
Ein Projekt, das Tradition und Zukunft verbindet
Störche gehören seit über 200 Jahren zum Dorfbild Seershausens. Historische Aufzeichnungen berichten davon, dass bereits ab 1816 mehrere Nester auf dem Haus der Familie Hacke standen – zeitweise sogar drei gleichzeitig. Später zog ein Storchenpaar auf ein eigens angebrachtes Wagenrad auf dem Haus der Familie Baars um und blieb dort bis 1980. Erst der Rückgang der Storchenpopulation und veränderte Lebensräume führten dazu, dass die Nester leer blieben.
Mit dem neuen Storchennest knüpft Seershausen bewusst an diese Tradition an und setzt zugleich ein Zeichen für aktiven Artenschutz. Es ist ein sichtbarer Ausdruck dafür, dass Naturverbundenheit und Heimatgefühl hier nicht nur Worte sind, sondern gelebte Werte.

Ein Blick in die Vergangenheit: Störche auf dem Dach der Familie Baar – ein vertrauter Anblick bis 1980.
Optimale Bedingungen am Okerufer
Der neue Standort auf den Okerwiesen wurde gemeinsam mit dem lokalen Storchenbeauftragten sorgfältig ausgewählt. Die Feuchtwiesen entlang der Oker bieten ideale Nahrungsbedingungen – ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Ansiedlung von Weißstörchen.
Schon während der Montage des Mastes zeigten die ersten Störche reges Interesse. Es wirkte fast so, als hätten sie nur darauf gewartet, dass ihnen wieder ein sicherer Brutplatz angeboten wird. Nur wenige Tage später wurde das Nest von einem Paar angenommen – ein außergewöhnlich schneller Erfolg, der die Attraktivität des Standorts eindrucksvoll bestätigt.

Teamarbeit in luftiger Höhe: Die LSW Netz hebt den Mast für das neue Storchennest an seinen Platz.
Gemeinschaftliches Engagement als Schlüssel zum Erfolg
Die Umsetzung des Projekts war ein Zusammenspiel vieler engagierter Akteure. Die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Barnbruch fertigte das Nest in traditioneller Handarbeit aus Eichenbohlen, Weidenrinde und Stroh, inklusive Befestigung am Mast und Marderschutz – eine bewährte Konstruktion, die bereits an vielen Orten erfolgreich im Einsatz ist.
Der lokale Energieversorger LSW Netz stellte den Mast bereit und übernahm professionell unter Einsatz schwerer Maschinen die komplette Aufstellung des Nestes. Die technische Präzision und die Bereitschaft, das Projekt aktiv zu unterstützen, waren ein wesentlicher Baustein für den Erfolg.
Die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung Hannover würdigte das Engagement des Dorfvereins und unterstützte das Vorhaben finanziell. Und nicht zuletzt trug die Dorfgemeinschaft selbst mit zahlreichen ehrenamtlichen Stunden, Abstimmungen und organisatorischer Arbeit entscheidend dazu bei, dass das Projekt so reibungslos umgesetzt werden konnte.

Letzter Feinschliff: Vorstandsmitglieder des Dorfvereins Seershausen befestigen die Förderplakette der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung am Mast.
Ein Gewinn für Natur, Dorfleben und Umweltbildung
Das neue Storchennest ist weit mehr als eine Nisthilfe. Es ist ein Symbol für den respektvollen Umgang mit der Natur, für den Stolz auf die eigene Geschichte und für die Kraft einer engagierten Dorfgemeinschaft. Die Okerwiesen bieten ideale Bedingungen für die Störche, und gleichzeitig entsteht ein neuer Lern- und Beobachtungsort für Schulen, Kitas und Naturinteressierte.
Viele Seershäuser sprechen bereits jetzt davon, wie schön es sei, wieder Störche im Dorf zu haben – ein Gefühl, das man nicht planen kann, das aber entsteht, wenn Natur und Mensch sich gegenseitig Raum geben.

Angekommen: Das Storchenpaar Milo und Fina hat das neue Nest bereits wenige Tage nach der Aufstellung bezogen.
Einzug von Milo und Fina – ein emotionaler Moment für Seershausen
Nur wenige Tage nach der Aufstellung wurde das Nest von einem Storchenpaar besetzt. Die beiden Störche wirken, als hätten sie genau hier ihren Platz gefunden. Der lokale Storchenbeauftragte wird das Paar künftig begleiten, das Nest betreuen und – sofern Nachwuchs schlüpft – die Jungstörche beringen.
Für viele Dorfbewohner ist die Rückkehr der Störche ein bewegender Moment. Es ist das Gefühl, dass ein Stück Heimat zurückgekehrt ist.
Ausblick
Mit dem neuen Storchennest beginnt ein neues Kapitel der Seershäuser Naturgeschichte. Die Dorfgemeinschaft hofft nun auf eine erfolgreiche Brut und darauf, dass Milo und Fina Seershausen dauerhaft als Heimat wählen. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Ehrenamt, Fachwissen und lokale Unternehmen gemeinsam handeln.



